Hunderassen mit Qualzuchtmerkmalen

A list of dog breeds with torture breeding characteristics

The term torturous breeding refers to the breeding of an animal with characteristics that cause pain, suffering or harm to the animal itself or its offspring.
Reading time: 8min
From: Carla Steffen
Checked: Veronika
Modified: 09.09.2026
Published: 21.06.2024

Definition: Was bedeutet Qualzucht bei Hunden?

Von Qualzucht spricht man, wenn bei der Zucht Merkmale gezielt verstärkt oder bewusst in Kauf genommen werden, die die Gesundheit oder das Wohlbefinden eines Hundes beeinträchtigen können. Entscheidend ist dabei nicht die Rasse allein, sondern ob erblich bedingte Eigenschaften zu Schmerzen, Leiden, Schäden oder dauerhaften Einschränkungen führen können.

Bei VEGDOG lehnen wir Zuchtziele ab, bei denen ein bestimmtes Aussehen wichtiger ist als Gesundheit und Lebensqualität. Hunde sollten sich möglichst frei bewegen, normal atmen und ihren Alltag ohne vermeidbare Beschwerden erleben können.

Welche Folgen können Qualzuchtmerkmale haben?

Qualzuchtmerkmale können unterschiedliche Körperfunktionen beeinträchtigen und den Alltag eines Hundes dauerhaft erschweren. Je nach Ausprägung sind unter anderem folgende Folgen möglich:

  • Atemprobleme bis Atemnot, schnelle Erschöpfung und eingeschränkte Wärmeregulierung bis Überhitzung
  • schmerzhafte Augen- und Hautentzündungen
  • Schäden an Gelenken und der Wirbelsäule
  • Einschränkungen des Hör- oder Sehvermögens
  • Beeinträchtigungen des natürlichen Verhaltens und der Kommunikation
  • Schwierigkeiten bei der natürlichen Paarung oder Geburt
  • erschwerte oder eingeschränkte arttypische Kommunikation mittels Körpersprache

Einige Hunde mit stark ausgeprägten Qualzuchtmerkmalen benötigen im Laufe ihres Lebens tierärztliche Behandlungen oder operative Eingriffe. Diese können zum Beispiel notwendig werden, wenn die Atmung, die Augen oder der Bewegungsapparat dauerhaft beeinträchtigt sind. Solche Maßnahmen können Beschwerden lindern, ändern aber nichts daran, dass die zugrunde liegenden Probleme durch die Zucht begünstigt wurden. Deshalb sollten betroffene Tiere nicht weiter zur Zucht eingesetzt werden.

Qualzucht-Listen? Nicht jede Hunderasse lässt sich gleich bewerten

Gesetzlich gesehen gibt es in Deutschland noch keine definierte Qualzucht-Hunderasse oder Qualzucht-Listen, auch wenn bestimmte Rassen aus medizinischer Sicht mehrere Qualzuchtmerkmale aufweisen. Gleichzeitig ist die Einordnung nicht bei jeder Rasse gleich eindeutig. Bei manchen Hunderassen treten erblich bedingte Merkmale und Erkrankungen jedoch so häufig auf, dass die Rasse insgesamt als besonders stark belastet gilt.

Ein bekanntes Beispiel ist die Französische Bulldogge. Neben der sehr kurzen Schnauze können bei der Rasse unter anderem Atemprobleme, Veränderungen an der Wirbelsäule sowie Augen-, Haut- und Zahnprobleme gehäuft auftreten. Entscheidend ist dabei nicht, ob jeder einzelne Frenchie gleich stark betroffen ist. Für die Bewertung der Zucht zählt vielmehr, ob aufgrund der erblichen Merkmale damit zu rechnen ist, dass Nachkommen Schmerzen, Leiden oder Schäden entwickeln.

Wie weit eine solche Einordnung gehen kann, zeigt auch der Cavalier King Charles Spaniel. In Norwegen ist die Zucht reinrassiger Tiere seit 2023 verboten, weil bestimmte erbliche Erkrankungen, die hochgradiges Leiden verursachen, innerhalb der Rasse besonders häufig vorkommen.

Welche Hunderassen können Qualzuchtmerkmale zeigen?

Bestimmte Merkmale kommen bei einigen Hunderassen besonders häufig vor oder sind sogar Zuchtziel. Die folgende Übersicht nennt bekannte Beispiele. Sie ist nicht abschließend und bedeutet nicht, dass jeder einzelne Hund der genannten Rasse betroffen ist.

Kurzköpfige und kurzschnäuzige Hunderassen

Eine stark verkürzte Kopfform wird als Brachycephalie bezeichnet. Sie kommt unter anderem bei folgenden Rassen und Zuchtlinien vor:

  • Mops
  • Französische Bulldogge
  • Englische Bulldogge
  • Boston Terrier
  • Pekinese
  • Shih Tzu
  • Zwergspitz
  • Boxer
  • Cavalier King Charles Spaniel
  • Chihuahua mit stark ausgeprägtem Rund- oder Apfelkopf

Je kürzer die Nase und je enger die Atemwege sind, desto größer ist die Belastung für den Hund.

Hunderassen mit kurzen Beinen und langem Rücken

Ein sehr langer Körper in Verbindung mit stark verkürzten Beinen kann die Wirbelsäule und die Bandscheiben belasten. Solche Körperproportionen finden sich beispielsweise beim:

  • Dackel
  • Basset Hound
  • Welsh Corgi Pembroke
  • Welsh Corgi Cardigan

Dabei geht es nicht nur um die Körperform an sich, sondern auch um genetische Merkmale, die kurze Beine verursachen können. Besonders gut zeigt sich das beim Dackel: Seine typische niederläufige, langgestreckte Statur ist im Rassestandard ausdrücklich vorgesehen. Gleichzeitig können bestimmte genetische Varianten, die diese Körperform mitprägen, mit einem erhöhten Risiko für Bandscheibenprobleme verbunden sein. Genau hier entsteht ein Zielkonflikt zwischen dem gewünschten Erscheinungsbild der Rasse und einer möglichst gesundheitsorientierten Zucht.

Hunderassen mit besonders ausgeprägten Hautfalten

Tiefe oder eng anliegende Hautfalten treten unter anderem bei Shar-Peis, Möpsen sowie Englischen und Französischen Bulldoggen auf. Bleiben die Falten feucht oder reiben dauerhaft aneinander, können Hautreizungen und Entzündungen entstehen.

Problematisch sind vor allem Falten im Gesicht. Sie können die Augen reizen oder den natürlichen Abfluss der Tränenflüssigkeit beeinträchtigen.

Hunderassen mit Merle-Färbung

Die Merle-Zeichnung kommt beispielsweise bei Australian Shepherds, Border Collies, Collies, Shelties, Cardigan Welsh Corgis, Dackeln und Deutschen Doggen vor. Trotz bekannter Risiken tritt dieser Farbschlag in immer mehr Rassen auf.

Ob die Merle-Färbung gesundheitlich problematisch ist, hängt nicht nur davon ab, ob ein Hund das Merle-Gen einfach oder doppelt trägt. Entscheidend ist auch, welche Merle-Variante vorliegt und wie stark sie die Pigmentbildung beeinflusst. Bestimmte Varianten können mit einem höheren Risiko für Veränderungen an Augen und Gehör verbunden sein. Deshalb greift die einfache Unterscheidung zwischen „Single Merle“ und „Double Merle“ zu kurz. Für eine verantwortungsvolle Zucht sollte vielmehr die konkrete genetische Ausprägung berücksichtigt werden. 

Extrem kleine Hunde und Teacup-Zucht

Auch die gezielte Zucht auf eine immer geringere Körpergröße kann problematisch sein. Bezeichnungen wie „Teacup“ oder „Micro“ stehen nicht für anerkannte Hunderassen, sondern werden meist für besonders kleine Hunde verwendet. Es können ein empfindlicher Knochenbau, Zahnfehlstellungen oder Probleme mit den Kniescheiben auftreten. Entscheidend ist auch hier, ob die extreme Größe die Gesundheit und Lebensqualität des Hundes beeinträchtigt. Nicht nur „Teacup“ ist dabei problematisch, auch generell kleine Rassen haben vergleichsweise häufig Zahnprobleme. 

Speziell gezüchtete Mischlinge mit problematischen Merkmalen

Speziell gezüchtete Mischlinge wie der Pomsky sind nicht automatisch Qualzuchten. Kritisch wird eine Verpaarung jedoch, wenn sich die Elterntiere in Größe und Körperbau stark unterscheiden oder gezielt extreme Merkmale kombiniert werden. Ist die Hündin deutlich kleiner als der Rüde, können zu große Welpen im Verhältnis zum Geburtskanal das Risiko für Geburtsprobleme erhöhen. Auch Zuchtziele wie ein besonders kleiner Körper, eine stark verkürzte Schnauze oder risikoreiche Farbkombinationen können das Wohlbefinden der Elterntiere und ihrer Nachkommen beeinträchtigen. Qualzuchtrelevant wird die Zucht vor allem dann, wenn solche Belastungen vorhersehbar sind oder eine natürliche Paarung und Geburt aufgrund des Körperbaus erschwert werden.

Weitere Rassen mit erblichen Belastungen

Nicht alle zuchtbedingten Probleme sind von außen erkennbar. Bei manchen Rassen treten bestimmte genetische Varianten oder Erkrankungen gehäuft auf. Eine starke Überzüchtung mit einem kleinen Genpool kann solche erblichen Belastungen zusätzlich begünstigen.

Bei Collies, Shelties, Border Collies und Australian Shepherds kann beispielsweise eine erbliche Genvariante die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen erhöhen. Beim Dobermann besteht eine bekannte erbliche Veranlagung für eine Erkrankung des Herzmuskels.

Auch Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogengelenksdysplasie (ED) treten bei einigen Hunderassen gehäuft auf, darunter beim Deutschen Schäferhund, Labrador Retriever und Rottweiler. Bei kleineren Rassen wie Pomeranian, Papillon und Havaneser kommt zudem häufiger eine Patellaluxation (PL) vor, während beim Cocker Spaniel unter anderem erbliche Augenerkrankungen bekannt sind.

Diese Veranlagungen gelten nicht pauschal als Qualzuchtmerkmale. Sie zeigen jedoch, wie wichtig ein möglichst breiter Genpool, Gesundheitsuntersuchungen und eine verantwortungsvolle Auswahl der Zuchttiere sind.

Futtermittelallergien und erbliche Veranlagung

Auch die Neigung zu Futtermittelallergien kann bei manchen Hunderassen genetisch mitbedingt sein. Sie gilt jedoch nicht automatisch als Qualzuchtmerkmal, sehr wohl aber die genetische Ursache, wenn vorhanden. Ein kleiner Genpool und die wiederholte Verpaarung vorbelasteter Tiere können das Risiko für gesundheitliche Probleme dennoch erhöhen.

Mehr über mögliche rassespezifische Veranlagungen erfährst du in unserem Beitrag zu Hunderassen, die häufiger unter Allergien leiden. Welche Rolle die Fütterung bei einer bestätigten Allergie spielt, erklären wir außerdem in unserem Ratgeber zur Ernährung bei Futtermittelallergien.

Sind Qualzuchten in Deutschland verboten?

Ja. § 11b des Tierschutzgesetzes verbietet Zuchten, bei denen nach den vorhandenen Erkenntnissen erblich bedingte Schmerzen, Leiden oder Schäden zu erwarten sind. Das Gesetz nennt bislang jedoch keine bundesweit verbindliche Liste bestimmter Hunderassen. 

Auf dieser Grundlage können Zuchten mit bestimmten erblichen Merkmalen eingeschränkt oder verboten werden. So bestätigte das VG Lüneburg 2025, dass die Zucht von Silver Labradors mit dem Dilute-Gen untersagt werden kann, wenn dadurch erblich bedingte Erkrankungen bei den Nachkommen zu erwarten sind.

Was wurde aus der geplanten Gesetzesänderung von 2024?

Im Jahr 2024 wollte die damalige Bundesregierung das Tierschutzgesetz verschärfen. Dafür sollte eine Liste mit konkreten Anzeichen wie Atemnot, Blindheit oder Taubheit festgelegt werden. Anhand dieser Merkmale hätten Behörden belastende Zuchtformen leichter erkennen und beurteilen können. Auch für Tierausstellungen und den Online-Handel waren strengere Regeln geplant.

Die Änderungen wurden jedoch nicht mehr beschlossen. Mit dem Ende der damaligen Wahlperiode wurde das Gesetzgebungsverfahren beendet. Deshalb ist die geplante Liste bis heute nicht Teil des geltenden Tierschutzgesetzes.

Was kannst du gegen Qualzucht tun?

Die Nachfrage beeinflusst, welche Hunde gezüchtet und angeboten werden. Deshalb lohnt es sich, bei der Wahl eines Hundes genau hinzusehen.

Einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen

In Tierheimen und bei seriösen Tierschutzorganisationen warten viele Hunde auf eine zweite Chance. Dort kannst du dich ausführlich beraten lassen und deinen neuen Begleiter in Ruhe kennenlernen. Mit einer Adoption gibst du einem bereits lebenden Tier ein sicheres Zuhause, ohne weitere Zucht zu unterstützen.

Auch Mischlingshunde können erbliche Erkrankungen oder auffällige Körpermerkmale mitbringen. Eine gemischte Abstammung ist daher keine Garantie für Gesundheit. Umso wichtiger ist es, den Charakter, die Vorgeschichte und den gesundheitlichen Zustand jedes Hundes individuell zu betrachten.

Bei der Zucht genau hinschauen

Entscheidest du dich für einen Hund aus einer Zucht, sollten Gesundheit und Lebensqualität wichtiger sein als ein bestimmtes Aussehen. Lass dir deshalb nicht nur Urkunden oder Ausstellungstitel zeigen, sondern frage gezielt nach den Elterntieren und ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte. Entscheide dich bewusst gegen Rassen, bei denen auffallend viele Qualzuchtmerkmale bekannt sind. 

Wichtige Fragen generell sind:

  • Welche Gesundheitsuntersuchungen wurden bei den Elterntieren durchgeführt?
  • Liegen die Ergebnisse schriftlich vor?
  • Gibt es Gentests für bekannte erbliche Risiken?
  • Können die Elterntiere frei atmen und sich normal bewegen?
  • Wie alt wurden nahe verwandte Hunde?
  • Gab es in früheren Würfen gesundheitliche Auffälligkeiten?
  • Wird gezielt auf extreme Größen, Farben oder Körperformen gezüchtet?

Beobachte die Elterntiere nach Möglichkeit auch in Ruhe und bei leichter Bewegung. Deutlich hörbare Atemgeräusche, schnelle Erschöpfung oder auffällige Bewegungen solltest du ernst nehmen.

Betroffene Hunde verdienen Respekt und Fürsorge

Die Kritik an Qualzucht richtet sich gegen belastende Zuchtziele und nicht gegen die betroffenen Hunde oder ihre Halter:innen. Ein Hund mit Qualzuchtmerkmalen ist nicht weniger liebenswert und verdient ebenso ein sicheres, fürsorgliches Zuhause. Entscheidend ist, ihre individuellen Bedürfnisse ernst zu nehmen und ihnen die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.

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Carla

Meine Mission bei VEGDOG ist, bei der Entwicklung von Produkten mitzuwirken, die
sowohl unsere geliebten Hunde mit allem versorgen, was sie benötigen, als auch einen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz leisten.

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