
Leishmaniose beim Hund erkennen und behandeln
Immer wieder wenden sich Hundehalter:innen an uns, deren Vierbeiner an chronischen Erkrankungen leiden. Sie möchten wissen, welche Hundefutter beim Vorhandensein verschiedener Krankheitsbilder geeignet sind. Dabei häufig thematisiert: die Leishmaniose. Doch was ist das eigentlich genau und was muss man bei der Fütterung beachten?
Von: Alena Thielert
Geprüft: Carla
Geändert: 29.06.2026
Veröffentlicht: 26.04.2024
Was ist Leishmaniose?
Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit. Die Erreger sind Protozoen, also Einzeller, die durch weibliche Sandmücken übertragen werden. Andere Übertragungsarten wie Bluttransfusionen oder Schmierinfektionen kommen eher selten vor.
Über eine lange Zeit kamen die Sandmücken ausschließlich südlich des 45. Breitengrades vor. Es infizierten sich also vorwiegend Hunde, die aus Ländern des Mittelmeerraumes stammen oder ihre Halter:innen bei einem entsprechenden Urlaub begleiteten. In letzter Zeit wird das Auftreten der Sandmücken aber auch in Süddeutschland beobachtet. Leishmania-Infektionen könnten daher in Zukunft auch in diesen Gefilden auftreten.
Wie erfolgt die Übertragung über die Sandmücke?
Die Übertragung der Erreger erfolgt während des Saugaktes der weiblichen Sandmücke. Die Leishmanien parasitieren anschließend intrazellulär, besonders in Makrophagen, den Zellen des Immunsystems. Interessant ist, dass infizierte Hunde nicht zwangsläufig erkranken müssen. Das heißt, dass sie die Leishmanien zwar beherbergen, aber unter Umständen nie Symptome entwickeln. Ob und wann die Erkrankung ausbrechen wird, ist schwer vorauszusagen. Eine Korrelation zwischen der Höhe des Antikörpertiters (Anzahl der im Blut vorhandenen Antikörper, die vom Hundekörper gegen die Krankheitserreger gebildet wurden) und der Wahrscheinlichkeit, dass Symptome auftreten werden, ist vorhanden.
Symptome der Leishmaniose beim Hund
Die Symptome einer Leishmaniose sind anfangs oft unspezifisch und können in Schüben auftreten. Häufig fallen zum Beispiel Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust oder ein lichter werdendes Fell auf. Je nach Verlauf kann sich die Erkrankung unterschiedlich zeigen. Bei der kutanen Form stehen Hautveränderungen im Vordergrund, etwa Haarausfall am Nasenrücken, an den Ohrenspitzen oder rund um die Augen, die sogenannte „Brillenbildung“. Die mukokutane Form betrifft Haut und Schleimhäute und kann dort zu Geschwüren führen. Bei der viszeralen Form sind innere Organe betroffen, besonders häufig die Nieren. Dabei kann es unter anderem zu Entzündungen der Nierenfilterkörperchen kommen. Auch Mischformen sind möglich. Bleibt eine ausgebrochene Leishmaniose unbehandelt, kann sie schwer verlaufen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.
Tierärztliche Diagnose der Leishmaniose
Da die Symptome einer Leishmaniose sehr unterschiedlich und oft unspezifisch sind, reicht der äußere Eindruck für eine sichere Diagnose nicht aus. Wichtig sind die Vorgeschichte des Hundes, zum Beispiel ein Aufenthalt in einem Risikogebiet, eine gründliche tierärztliche Untersuchung und passende Laborwerte. Bluttests können Hinweise auf eine Infektion geben, etwa über Antikörper gegen Leishmanien. Bei unklaren Befunden kann zusätzlich ein direkter Erregernachweis, zum Beispiel per PCR, sinnvoll sein. Außerdem werden häufig Blutbild, Organwerte und besonders die Nierenwerte kontrolliert, um den Gesundheitszustand des Hundes besser einzuschätzen.
Ist die Erkrankung heilbar?
Die Leishmaniose ist beim Hund NICHT heilbar. Durch den gezielten Einsatz verschiedener Medikamente ist es zwar möglich, die Symptome zu lindern, die Erreger bleiben aber mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Leben lang im Hundekörper. Der erneute Ausbruch der Erkrankung ist auch nach erfolgreichem Abklingen von Symptomen nicht unwahrscheinlich, was eine erneute Therapie nötig macht.
Wie sieht eine Therapie aus und was hat das alles mit der Ernährung zu tun?
Bei der Therapie von Leishmaniose spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, da bestimmte Medikamente den Purinstoffwechsel des Hundes beeinflussen können. Ein üblicherweise eingesetztes Medikament ist „Allopurinol“, das beim Menschen unter anderem zur Therapie von Gicht verwendet wird. Es wird von den Leishmanien aufgenommen und hemmt schließlich deren Vermehrung. Allerdings erzielt es auch einen anderen Effekt unmittelbar im Körper des Hundes. Hier behindert es den enzymatischen Abbau von Purinen zum Allantoin. Purine sind wichtige Bestandteile der DNS und RNS und können vom Hund selbst synthetisiert werden. Alle Purine, die zusätzlich durch die Nahrung in den Organismus gelangen und nicht für den Aufbau des Erbgutes benötigt werden, müssen abgebaut und durch die Nieren ausgeschieden werden.
Wird der Abbau zum Allantoin durch das Leishmaniose-Medikament „Allopurinol“ gehemmt, so häuft sich vermehrt das Zwischenprodukt Xanthin an. Dadurch kann das Risiko steigen, dass sich bestimmte Harnsteine bilden. Das ist der Grund, warum Hunde, die Allopurinol erhalten, purinarm ernährt werden sollten. Das gestaltet sich allerdings gar nicht so leicht, da nur wenige Futtermittelhersteller den Puringehalt ihrer Produkte deklarieren und die eigene Erstellung eines Rezeptes aufwändig ist und Fachwissen voraussetzt.
Purinarme Ernährung für Hunde mit Leishmaniose
Purine kommen übrigens vermehrt in zellkernreichen Lebensmitteln vor. Darunter fallen unter anderem Fleisch (besonders Innereien und bindegewebige Kauartikel), aber auch Hülsenfrüchte. Eine vegetarische oder vegane Ernährung kann, je nach Zusammensetzung, eine überaus günstige Alternative zur Fleischration sein.
Die Puringehalte unserer VEGDOG Alleinfuttermittel sehen wie folgt aus:
| Futtersorte | Puringehalt |
|---|---|
Trockenfutter Green Crunch | ca. 42 mg/100 g Futter, entspricht ca. 46 mg/100 g Trockenmasse |
Trockenfutter Farmer’s Crunch | a. 34 mg/100 g, entspricht ca. 37 mg/100 g Trockenmasse |
Trockenfutter Simply Crunch | ca. 19 mg/100 g, entspricht ca. 21 mg/100 g Trockenmasse |
Nassfutter Senior Erbsen & Hirse | ca. 30 mg/100 g Futter, entspricht ca. 143 mg/100 g Trockenmasse |
Nassfutter Adult Linsen & Hirse | ca. 30 mg/100 g Futter, entspricht ca. 126 mg/100 g Trockenmasse |
Nassfutter Sensitive Lupinenprotein | ca. 41 mg/100 g Futter, entspricht ca. 165 mg/100 g Trockenmasse |
Für purinarme Futtermittel gibt es aktuell keine offiziellen Empfehlungen oder Grenzwerte. Anhand der aktuellen Studienlage können Alleinfuttermittel mit einem Puringehalt von ca. 40 mg/100 g Trockenmasse aber als purinarm eingestuft werden.
Damit können wir unser Farmer’s Crunch und Simply Crunch für eine purinarme Ernährung empfehlen.
Es sollte zusätzlich beachtet werden, dass Hunde mit Leishmaniose besonders viel trinken sollten. Die Futterportionen mit Wasser zu verdünnen, kann daher sehr sinnvoll sein.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei infizierten Hunden?
Die Leishmaniose ist kein Todesurteil. Ein Großteil der infizierten Hunde hat die Chance auf ein langes und glückliches Leben. Wir Halter:innen stehen dabei in der Verantwortung, dieses zu fördern. Dazu gehören unter anderem die Reduzierung von Stress, da dieser das Immunsystem schwächen kann, sowie ein geregelter Alltag mit viel Liebe und Zuwendung. Auch regelmäßige tierärztliche Check-ups, bei Bedarf entsprechende Medikamente und natürlich eine bekömmliche und ausgewogene Nahrung spielen eine wichtige Rolle.
Ist Leishmaniose ansteckend?
Grundsätzlich ist Leishmaniose nicht ansteckend – weder von Hund zu Hund noch von Hund zu Mensch. Lediglich eine trächtige Hündin kann die Parasiten über die Plazenta auf ihre Welpen übertragen. Ansonsten erfolgt die Übertragung über den Stich einer infizierten weiblichen Sandmücke. Allerdings kann sich auch die Sandmücke bei einem Hund mit Leishmanien infizieren und die Infektion beim nächsten Stich an Mensch oder Tier weitergeben.
Impfungen & Co. - So kannst du deinen Hund vor Leishmaniose schützen
Einen hundertprozentigen Schutz vor Leishmaniose gibt es leider nicht. Wer mit seinem Hund in Risikogebiete reist oder dort lebt, sollte daher möglichst Sandmückenstiche vermeiden. Geeignete Schutzpräparate, wie spezielle Halsbänder oder Spot-ons, können das Risiko einer Übertragung deutlich verringern, müssen aber rechtzeitig und korrekt angewendet werden. Zusätzlich können die Hauptzeiten der Sandmücke wie z. B. die Dämmerung gemieden werden. Auch eine Impfung kann für nicht infizierte Hunde infrage kommen, vor allem vor Reisen in betroffene Regionen. Sie schützt aber nicht zu 100 % und ersetzt den Schutz vor Sandmücken nicht. Laut ESCCAP sollte die Impfung mindestens vier Wochen vor der Reise erfolgen.
