Empfehle & Spare

GOODBYE THAILAND! HELLO CHAIYO!

Ich möchte euch erzählen, wie ich zu meinem thailändischen Liebling gekommen bin. Oder besser gesagt: wie er zu mit gekommen ist. Doch bevor wir in Thailand ankommen, muss ich euch die Geschichte von vorne erzählen.

Jedes Kind hat Träume – mein Traum war es immer, einen eigenen Hund zu haben. Nichts Schöneres konnte ich mir vorstellen. Meine Eltern sahen das leider anders, zu viel Verantwortung neben zwei Kindern und einem Vollzeitjob. So musste ich lange auf die Hundeliebe (welche ich mir als kleines Mädchen immer gewünscht habe) verzichten.

Es verging kein Geburtstag oder Weihnachten, an dem ein Hund auf meinem „Wunschzettel“ stand. Jeden Tag auf dem Heimweg von der Schule hoffte ich, dass mir meine Eltern endlich meinen Hundewunsch erfüllen würden. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen: Voller Aufregung öffnete ich jeden Tag die Haustüre und hoffte, eine nasse Hundenase würde mich freudig begrüßen. Was gibt es Schöneres?

Es vergingen viele Jahre, doch der Wunsch verging nie.

Als ich 9 war, bekam meine beste Freundin einen Hund aus dem Tierheim.

Meine große Schwester machte hin und wieder Dogsitting für die Hündin, wessen Name Tina war. An einem Wochenende brachte meine Schwester die Hündin mit Nachhause und sagte, wir würden die Wochenendbetreuung für Tina übernehmen. Ich erinnere mich noch genau, dass meine Eltern sagten: „Aber nur dieses Wochenende“. Durch Umstände zog meine Freundin abrupt weg – so kam ich zu meinem ersten Hund. Aus einem Wochenende wurden 9 Jahre. Sie durfte ihr glückliches Hundeleben bei uns verbringen.

3 Jahre später holten wir einen weiteren Hund in Zusammenarbeit aus der Türkei. Ich war jetzt zumindest alt genug, um Hunde zu retten – und das tat ich. Meiky, ein Kangalmischling aus der Türkei, bekam einen Endplatz vermittelt. Es folgte ein Chihuahua, welchen wir zur Feriensaison in Tschechien an der Tankstelle vorfanden, dieser lebt bis heute glücklich bei meiner Schwester.

Bei meinem ersten Urlaub allein organisierte ich mit meiner Freundin Stephi für einen in der Wüste zugelaufenen Hund einen Flug nach München. Es war nicht leicht, die Hunde aus dem Ausland zu holen, meine Abschlussprüfungen standen bald an und ich versuchte, bei meinen Eltern nicht aufzufliegen. Als der große Saluki Haya aus Abu Dhabi kam, bin ich in die Wohnung meiner Schwester gezogen, wo auch Haya lebt. Damit ich wieder Nachhause komme, akzeptierten meine Eltern meine vierbeinigen Anhänger, ohne die es mich nach wie vor nicht gibt.

Es folgten viele glückliche Jahre mit den Fellnasen. Nachdem ich meine erste Festanstellung antrat und Vollzeit zu arbeiten begonnen hatte (die Hunde lebten inzwischen bei meiner Schwester), bemerkte ich nach einiger Zeit, dass mir ein Hund in meinem Leben fehlte. Drei Jahre vergingen wie im Fluge, in denen ich oft von einem Leben mit Hund träumte. Ich sagte mir als Kind doch immer, wenn ich mal groß bin, dann habe ich ganz viele Hunde. Was war daraus geworden? Ich packte den Wunsch weit weg, meine Kollegin mit Tierhaarallergie und ein eher traditionelles Unternehmen boten keinen Platz dafür. Es gab keine Möglichkeit, dauerhaft einen Hund mitzubringen.

Im Jahr 2019 flogen mein Freund und ich mit dem Rucksack bepackt nach Thailand. Wir hatten kein konkretes Ziel, ließen uns treiben. Wir starteten in Bangkok und landeten nach diversen Stops in Koh Phangan. Wir suchten spontan nach einer Unterkunft, wie jedes Mal. Wir fanden eine Reihe von Bungalows, eines glich dem anderen. Schön sah anders aus. Wir waren aber müde und ließen uns auf die eher schäbige Unterkunft ein.

Eines Abends hörten wir ein seltsames Geräusch an der Türe. Mein Freund sah mich an, ich sah ihn an und keiner wollte so recht die Türe auf machen. Ich schickte meinen Freund vor, schließlich hatte ich Angst… soll er ruhig mutig sein! Und… Überraschung! Da stand ein zwar gut gelaunter, jedoch etwas abgemagerter Hund. Er wedelte wild mit seinem Schwanz hin und her, so dass der ganze Oberkörper mitwackelte. Wir machten uns direkt auf den Weg, um Futter zu besorgen und servierten es ihm auf einem Palmenblatt. Wir ließen ihn über Nacht bei uns im Bungalow schlafen und gaben ihm morgens nochmal was zu essen.

Als wir mit dem Roller losfuhren, folgte er uns bis zur Hauptstraße, an der wir selbstverständlich anhielten. Wir hatten Angst, er würde vor ein Auto oder einen Roller laufen. Neben uns befand sich ein Café, dort setzten wir uns hin und überlegten. Auf einmal sagte mein Freund völlig unerwartet zu mir: „Ich lasse ihn nicht hier. Wir nehmen ihn mit.“ Ich zögerte kurz, normalerweise wäre das mein Part gewesen. Es brauchte nicht viel Überredungsarbeit, ich war sofort dabei. Ich versuchte einige Tierschutzorganisationen zu erreichen, völlig vergeblich. Keiner hatte Kapazität, irgendwie wollte uns keiner helfen oder wir wurden mit Rückrufen versetzt, welche nie ankamen. Wir liefen zu Fuß einige Kilometer zum Tierarzt, da uns die Taxen mit Hund nicht mitnehmen wollten. Es verhielt sich ein wenig wie ein Spießroutenlauf – durch die fremden Reviere der anderen Hunde wurde unser Findling sehr stark angefeindet. Beim Tierarzt angekommen haben wir eine Empfehlung einer Tierschutzorganisation bekommen. Diese gab uns dann an die entscheidende Organisation weiter – Dog and Cat Rescue Samui, auch DCRS genannt.

Ich brachte unseren neu gewonnenen Streuner mit der Fähre nach Koh Samui, mein Freund packte derweil unsere Sachen, da wir eine neue Unterkunft brauchten. Wir waren bereits länger geblieben, um alles Organisatorische mit und um den anhänglichen, süßen Vierbeiner abzuklären.

In Koh Samui angekommen wurden mein zugelaufenes Tier und ich abgeholt. Fast eine Stunde saßen wir im Pick-Up hinten auf der heißen Ladefläche, auf die die Sonne runterbrannte.

Angekommen klärte ich nur noch den Papierkram mit einer Berlinerin, Brigitte. Da war der Hund schon weg, ich konnte mich gar nicht verabschieden. Er kam einige Kilometer weiter in ein dazugehöriges Tierheim. Auf einem Roller-Taxi fuhr ich zurück zur Fähre und anschließend zurück nach Koh Phangan.

Zwei Monate warteten wir ungeduldig auf unseren Hund, welchen wir Chaiyo nannten.

Wir konnten es kaum erwarten! Wir waren besorgt, ob er den Flug wohl gut überstehen würde. Von Koh Samui nach Bangkok, von Bangkok nach Frankfurt, von Frankfurt mit dem Auto nach München – eine reine Strapaze. Endlich war es so weit, die Flugpaten sind mit unserem Chaiyo angekommen.

Wer hätte es gedacht, nach gut zwei Monaten sprang uns der sonst eher ruhige Rüde in die Arme. Er drückte sich gegen uns und suchte Nähe und Sicherheit.

Ich bin mir sicher, er verstand nun, warum er so einen weiten Weg hinter sich lassen musste. Aber endlich war er angekommen.

Durch seine Ankunft musste auch ich mir einen hundefreundlichen Arbeitgeber suchen, so bin ich bei VEGDOG gelandet. Mein erster, ganz eigener Wegbegleiter, von dem ich als Kind so lange geträumt habe. So durften wir beide ankommen, Chaiyo hat sein liebevolles Zuhause gefunden und ich den Platz, an dem ich Hundeliebe und Arbeit mehr als nur vereinen kann.

Ein Tier zu retten, verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier!

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